Es ist drei Uhr nachts, die Wade zieht sich zusammen, und am nächsten Morgen steht Magnesium auf der Einkaufsliste. Kaum ein Ratschlag ist so verbreitet wie „Nimm Magnesium gegen Wadenkrämpfe“. Die Studienlage ist allerdings deutlich nüchterner als der Ruf.
Die kurze Antwort: Für Magnesium ist in der EU keine Angabe zu Muskelkrämpfen zugelassen – zugelassen ist: „Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei.“ Ein Cochrane-Review von 2020 kommt zu dem Ergebnis, dass Magnesium bei gewöhnlichen nächtlichen Krämpfen, vor allem bei älteren Menschen, wahrscheinlich kaum einen Unterschied in der Häufigkeit macht. Bei Schwangeren ist die Datenlage unklar. Häufige oder starke Krämpfe gehören ärztlich abgeklärt.
Das Wichtigste in Kürze
- Zugelassen ist nur: Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei. Eine Angabe zu Krämpfen gibt es nicht.
- Cochrane-Review 2020 (Garrison et al.): Bei nächtlichen Krämpfen ohne erkennbare Ursache, meist bei älteren Erwachsenen, macht Magnesium wahrscheinlich kaum oder keinen Unterschied in der Krampfhäufigkeit.
- Schwangerschaft: Ob Magnesium Schwangerschaftskrämpfe verringert, ist unsicher – die Studien widersprechen sich.
- Ursachen klären: Krämpfe können viele Ursachen haben, auch Medikamente oder Erkrankungen.
1. Was für Magnesium zugelassen ist
Für Magnesium ist in der EU keine Angabe zu Muskelkrämpfen zugelassen; erlaubt ist nur der Satz „Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“ – Werbung mit „beugt Krämpfen vor“ ist nicht zulässig.
In der EU dürfen Lebensmittel nur mit gesundheitsbezogenen Angaben beworben werden, die wissenschaftlich geprüft und zugelassen sind (Verordnung (EU) Nr. 432/2012). Für Magnesium gibt es mehrere, darunter:
- Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei.
- Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
- Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.
„Lindert Wadenkrämpfe“ oder „beugt Krämpfen vor“ steht nicht auf der Liste. Nicht zugelassene gesundheitsbezogene Angaben dürfen für Lebensmittel nicht verwendet werden.
2. Was die Studien zeigen
Laut Cochrane-Review 2020 macht Magnesium bei nächtlichen Krämpfen ohne erkennbare Ursache, meist bei älteren Erwachsenen, wahrscheinlich kaum oder keinen Unterschied in der Krampfhäufigkeit (5 Studien, 271 Teilnehmende, moderate Sicherheit).
Die gründlichste Auswertung ist der Cochrane-Review „Magnesium for skeletal muscle cramps“ (Garrison und Kollegen, 2020). Er hat randomisierte Studien zusammengefasst, in denen Magnesium mit einem Placebo verglichen wurde.
| Gruppe | Studien | Ergebnis | Sicherheit der Aussage |
|---|---|---|---|
| Nächtliche Krämpfe ohne erkennbare Ursache (meist ältere Erwachsene) | 5 Studien, 271 Teilnehmende | wahrscheinlich kaum oder kein Unterschied in der Krampfhäufigkeit | moderat |
| Krämpfe in der Schwangerschaft | 5 Studien, 408 Teilnehmerinnen (davon 3 placebokontrolliert) | widersprüchlich, Wirkung unsicher | sehr unsicher (keine gemeinsame Auswertung möglich) |
Das heißt nicht, dass Magnesium für die Muskeln unwichtig ist – es ist an der normalen Muskelfunktion beteiligt. Es heißt nur: Wer gesund ist, ausreichend Magnesium über die Ernährung aufnimmt und trotzdem Krämpfe hat, sollte von einem Präparat keine verlässliche Verbesserung erwarten.

Cochrane-Review 2020: Magnesium bei Muskelkrämpfen
Quellen: Garrison et al., Cochrane Database Syst Rev 2020 (CD009402.pub3); Verordnung (EU) Nr. 432/2012.
3. Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft
Ob Magnesium Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft verringert, ist laut Cochrane unsicher – die placebokontrollierten Studien widersprechen sich; jede Ergänzung gehört in die Absprache mit Frauenarztpraxis oder Hebamme.
Wadenkrämpfe sind in der Schwangerschaft häufig. Ob Magnesium hier einen Unterschied macht, ist laut Cochrane unsicher: Von drei placebokontrollierten Studien fand eine einen Vorteil, eine keinen, und eine lieferte widersprüchliche Ergebnisse. In der Schwangerschaft gehört jede Nahrungsergänzung ohnehin in die Absprache mit Frauenärztin, Frauenarzt oder Hebamme.
4. Häufige Ursachen von Wadenkrämpfen
Gelegentliche nächtliche Krämpfe haben oft keine fassbare Ursache; begünstigen können starke Belastung, Schwitzen, bestimmte Medikamente wie Entwässerungsmittel, Erkrankungen sowie Schwangerschaft und höheres Alter.
Gelegentliche nächtliche Krämpfe haben oft keine fassbare Ursache. Begünstigend können wirken:
- ungewohnte oder starke Belastung, langes Stehen
- starkes Schwitzen und Flüssigkeitsverlust
- bestimmte Medikamente, z. B. manche Entwässerungsmittel
- Erkrankungen wie Durchblutungsstörungen, Nervenerkrankungen, schwere Nieren- oder Lebererkrankungen oder eine Schilddrüsenunterfunktion
- Schwangerschaft und höheres Alter
5. Wann Krämpfe zum Arzt gehören
Ärztlich abklären solltest du Krämpfe, die häufig auftreten oder den Schlaf stören, ein geschwollenes oder gerötetes Bein, Taubheit oder Schwäche und Krämpfe, die nach einem neuen Medikament begonnen haben.
- Krämpfe treten häufig auf oder stören regelmäßig den Schlaf.
- Das Bein ist geschwollen, gerötet oder überwärmt, oder die Schmerzen halten nach dem Krampf an.
- Es kommen Taubheit, Muskelschwäche oder Krämpfe in anderen Körperregionen dazu.
- Die Krämpfe begannen nach einem neuen Medikament.
Wadenkrämpfe: wann zum Arzt?
Quelle: DGN/AWMF S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrämpfe (2023). Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
6. Was im akuten Krampf hilft
Im akuten Krampf hilft meist Dehnen: Fußspitze zum Körper ziehen oder aufstehen und die Ferse belasten; bei nächtlichen Wadenkrämpfen empfiehlt die neurologische Leitlinie regelmäßige Dehnübungen.
Im Moment des Krampfes hilft meist Dehnen: Fußspitze zum Körper ziehen oder aufstehen und die Ferse belasten, dazu leichte Massage. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen empfiehlt die neurologische Leitlinie regelmäßige Dehnübungen der Wadenmuskulatur; ausreichend Trinken und Bewegung sind allgemeine Empfehlungen.

7. Was das für unser Magnesium bedeutet
Unsere Magnesium Bisglycinat Kapseln liefern 320 mg Magnesium pro Tagesportion und tragen zu einer normalen Muskelfunktion bei – als Mittel gegen Krämpfe bewerben wir sie ausdrücklich nicht.
Unsere Magnesium Bisglycinat Kapseln liefern 320 mg Magnesium pro Tagesportion. Das liegt über dem Höchstmengenvorschlag des BfR für Nahrungsergänzungsmittel von 250 mg pro Tag; nimm deshalb kein weiteres Magnesiumpräparat dazu. Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion und zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Wir bewerben es ausdrücklich nicht als Mittel gegen Krämpfe – weil das weder zugelassen noch durch die Studienlage gedeckt ist. Hinweise zu Menge und Verträglichkeit stehen in Magnesium Nebenwirkungen. Krämpfe beim Training mit Kreatin? Die Verbraucherzentrale nennt sie als seltene Nebenwirkung von Kreatin – mehr in Kreatin und Magnesium. Deine Tagesmenge an elementarem Magnesium rechnest du mit dem Magnesium-Rechner nach.
8. Weiterlesen im Ratgeber
- Wie viel Magnesium am Tag?
- Welches Magnesium ist das beste?
- Magnesium Nebenwirkungen: Durchfall und Obergrenze
- Magnesium vor oder nach dem Sport?
- Magnesium-Ratgeber: alle Artikel
- Sport & Leistung
Hinweise: Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung und ist keine Anleitung zur Selbstdiagnose. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.
9. Häufige Fragen
Laut Cochrane-Review 2020 macht Magnesium bei nächtlichen Krämpfen ohne erkennbare Ursache wahrscheinlich kaum einen Unterschied. Ob ein Mangel vorliegt, lässt sich nur ärztlich klären; in der Schwangerschaft ist die Studienlage widersprüchlich.
Was zeigen Studien zu Magnesium bei Wadenkrämpfen?
Laut Cochrane-Review 2020 macht Magnesium bei nächtlichen Krämpfen ohne erkennbare Ursache, vor allem bei älteren Erwachsenen, wahrscheinlich kaum einen Unterschied. Eine zugelassene Angabe zu Krämpfen gibt es nicht; zugelassen ist, dass Magnesium zu einer normalen Muskelfunktion beiträgt.
Ist Magnesiummangel die Ursache von Wadenkrämpfen?
Nicht unbedingt. Gelegentliche Krämpfe haben oft keine fassbare Ursache. Ob ein Mangel vorliegt, lässt sich nur ärztlich klären.
Was ist zu Magnesium bei Krämpfen in der Schwangerschaft bekannt?
Die Studienlage ist widersprüchlich, die Wirkung laut Cochrane unsicher. In der Schwangerschaft sollte jede Ergänzung mit Ärztin, Arzt oder Hebamme abgesprochen werden.
Was hilft sofort bei einem Wadenkrampf?
Dehnen: Fußspitze zum Körper ziehen oder aufstehen und die Ferse belasten, dazu leicht massieren.
Wann sollte ich mit Wadenkrämpfen zum Arzt?
Bei häufigen Krämpfen, Schwellung oder Rötung des Beins, anhaltenden Schmerzen, Taubheit oder Schwäche – und wenn die Krämpfe nach einem neuen Medikament begonnen haben.
Passend dazu: Sport-Ratgeber: Kreatin, Magnesium, Omega-3 – was belegt ist
Quellen
Die Angaben in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Quellen. Zu jeder Quelle steht, welche Aussage sie belegt.
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Europäische Kommission: „Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern“, Verordnung (EU) Nr. 432/2012, 16.05.2012.
Belegt: Zugelassen ist u. a.: Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei; eine Angabe zu Muskelkrämpfen enthält die Liste nicht. -
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „Höchstmengenvorschläge für Magnesium in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln“, Höchstmengenvorschlag Magnesium.
Belegt: BfR empfiehlt höchstens 250 mg Magnesium pro Tagesdosis eines NEM, auf zwei oder mehr Portionen verteilt; UL-Endpunkt sind leichte Durchfälle. -
Cochrane Database of Systematic Reviews: „Magnesium for skeletal muscle cramps“, Garrison SR, Korownyk CS, Kolber MR, Allan GM, Musini VM, Sekhon RK, Dugré N. Cochrane Database Syst Rev 2020, Issue 9, Art. No. CD009402; DOI 10.1002/14651858.CD009402.pub3, 21.09.2020.
Belegt: Idiopathische (nächtliche) Krämpfe, meist ältere Erwachsene: 5 Studien/271 Teilnehmende, kaum oder kein Unterschied in der Krampfhäufigkeit (moderate Evidenz); Schwangerschaft: 5 Studien/408 Teilnehmerinnen, keine Metaanalyse möglich, von 3 placebokontrollierten Studien eine ohne Nutzen, eine mit Nutzen, eine widersprüchlich. -
Cochrane (deutsche Laienzusammenfassung): „Magnesium bei Muskelkrämpfen“, Laienverständliche Zusammenfassung zu CD009402.pub3, 21.09.2020.
Belegt: Bei älteren Erwachsenen verringert Magnesium Häufigkeit oder Stärke der Krämpfe wahrscheinlich nicht; Studien bei Schwangeren (408 Teilnehmerinnen) zeigten nicht durchgängig einen Nutzen. -
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) / AWMF: „Crampi/Muskelkrämpfe, S1-Leitlinie, Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie“, AWMF-Registernummer 030/037, Version 6.0, 08.11.2023.
Belegt: Ursachen/Risikofaktoren: höheres Alter, Bewegungsmangel, Gefäßerkrankungen, Nervenerkrankungen, schwere Nieren-/Leberinsuffizienz, Hypothyreose, Schwangerschaft (35–55 % der Schwangeren), starkes Schwitzen, Medikamente wie Diuretika; akut Dehnen; bei nächtlichen Wadenkrämpfen regelmäßige Dehnübungen; Magnesium-Wirksamkeit bei idiopathischen Crampi nicht ausreichend belegt, in der Schwangerschaft unsicher.
Quellen geprüft am 12.10.2026.
Geschrieben und recherchiert von Yuri Koch. Stand: Oktober 2026.
Einzelnachweise: 1. Garrison SR, Korownyk CS, Kolber MR et al.: „Magnesium for skeletal muscle cramps“, Cochrane Database of Systematic Reviews, 2020 (CD009402.pub3). 2. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 (zugelassene gesundheitsbezogene Angaben).


