Kortison-Therapie im Überblick: Knochen, Blutzucker, Ernährung und Magen
Du nimmst Kortison (zum Beispiel Prednisolon) über längere Zeit? Hier findest du den Überblick: was die deutsche Osteoporose-Leitlinie zu Knochen, Vitamin D und Calcium sagt, worauf du bei Ernährung, Blutzucker und Magenschutz achten kannst – und welche Fragen du in die Praxis mitnimmst. Zu jedem Thema gibt es einen ausführlichen Ratgeber-Artikel. Mit Quellen zu jeder Aussage.
Knochen früh im Blick
Calcium aus dem Essen
Nie eigenmächtig absetzen
Quellen geprüft:
Kurze Antwort
Kortison (Glukokortikoide wie Prednisolon) kann bei längerer Einnahme die Knochen schwächen – etwa 30 bis 50 % der Menschen mit einer Langzeittherapie entwickeln eine Osteoporose. Die DVO-Leitlinie 2023 empfiehlt deshalb allen Risikogruppen 1000 mg Calcium pro Tag aus der Gesamternährung, mindestens 800 I.E. Vitamin D, Kraft- und Balancetraining – und ab 7,5 mg Prednisolon-Äquivalent über mehr als 3 Monate schon bei der Planung eine Knochendichtemessung. Nahrungsergänzung ersetzt keine Osteoporose-Therapie, und Kortison setzt du nie eigenmächtig ab. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung.
30–50 %der Menschen mit Kortison-Langzeittherapie entwickeln eine Osteoporose.Übersicht [2]
3–6 Mon.In dieser ersten Zeit sinkt die Knochenfestigkeit am schnellsten.Übersicht [2]
32 %der Menschen ohne Diabetes hatten unter Kortison erhöhte Blutzuckerwerte (Meta-Analyse aus 13 Studien).Meta-Analyse [4]
15 %der Langzeit-Behandelten bekommen laut Übersicht eine optimale Knochen-Vorsorge.Übersicht [2]
Kortison und Osteoporose: der Mechanismus in Kürze
Kortison bremst die Zellen, die Knochen aufbauen, und fördert den Abbau. Gleichzeitig scheiden die Nieren mehr Calcium aus, und der Darm nimmt weniger auf.[2]
Schritt 1Kortison über MonateTabletten wie Prednisolon, oft bei Rheuma, Lunge oder Darm.
Schritt 2Weniger Aufbau, mehr AbbauDie knochenbildenden Zellen werden gebremst.
Schritt 3Calcium geht verlorenMehr Ausscheidung über die Nieren, weniger Aufnahme im Darm.
Schritt 4Früh vorsorgenCalcium, Vitamin D, Bewegung – und die Knochen ärztlich prüfen lassen.
Wie stark steigt das Bruchrisiko?
Laut einer Übersichtsarbeit steigt das Risiko unter Kortison für Hüftbrüche um etwa 60 % und für Wirbelbrüche um etwa 160 % – ähnlich über Alter, Geschlecht und Grunderkrankung hinweg. Nach dem Ende der Therapie sinkt es wieder.[2]
Erhöhung des Bruchrisikos unter Kortison (relativ)[2]
Hüfte
+60 %
Wirbel
+160 %
Relative Erhöhung gegenüber Menschen ohne Kortison. Eine Durchschnittsangabe aus Studien – dein persönliches Risiko bewertet die Praxis.
Das Wichtigste in Kürze
Früh dran denken: Der Knochenverlust ist in den ersten 3 bis 6 Monaten am stärksten.[2]
Calcium über das Essen: 1000 mg pro Tag als Gesamtzufuhr; Präparate nur, wenn die Ernährung nicht reicht.[1][3]
Vitamin D: mindestens 800 I.E. pro Tag; Supplemente nicht über 2.000 bis 4.000 I.E. pro Tag.[1]
Bewegung: Kraft, Gleichgewicht und Koordination trainieren, Rauchen und riskanten Alkohol meiden.[1]
Nie eigenmächtig absetzen: Nach längerer Einnahme kann ein abruptes Absetzen gefährlich sein, weil der Körper selbst zu wenig Kortisol bildet.[5]
Maßgeblich sind die Packungsbeilage deines Präparats und deine Ärztin oder dein Arzt. Stand: Oktober 2026.
Dosis und Dauer: die Grenzen der DVO-Leitlinie
Die DVO-Leitlinie 2023 zählt schon niedrige Dosen über mehr als 3 Monate als Risikofaktor. Ab 7,5 mg Prednisolon-Äquivalent pro Tag über mehr als 3 Monate soll bereits bei der Therapieplanung eine Knochen-Basisdiagnostik mit Knochendichtemessung (DXA) erfolgen.[1]
Orales Kortison (Prednisolon-Äquivalent)
Einordnung in der DVO-Leitlinie
unter 2,5 mg/Tag, > 3 Monate
zählt bereits als Risikofaktor für Knochenbrüche
2,5 bis 7,5 mg/Tag, > 3 Monate
höherer Risikofaktor
über 7,5 mg/Tag, > 3 Monate
Basisdiagnostik mit DXA schon bei der Therapieplanung
über 5 mg/Tag, im letzten Jahr begonnen oder erhöht
eigener Risikofaktor, weil der Verlust am Anfang am stärksten ist
Quelle: DVO-Leitlinie Osteoporose 2023, Kurzfassung [1]. Gilt für Kortison als Tablette; für Sprays und Cremes nennt die Kurzfassung keine eigenen Zahlen.
Vitamin D und Calcium im Überblick
Die DVO-Leitlinie empfiehlt allen Risikogruppen mindestens 800 I.E. Vitamin D pro Tag. Wird ergänzt, gelten 800 I.E. als allgemein empfohlene Tagesdosis; 2.000 bis 4.000 I.E. pro Tag sollen nicht überschritten werden. Für Calcium nennt sie 1000 mg pro Tag als Gesamtzufuhr – Supplemente nur, wenn die Ernährung nicht reicht.[1] Die DGE nennt für Erwachsene ebenfalls 1000 mg Calcium.[3]
Calciumquelle
Was die DGE dazu sagt
Milch und Milchprodukte
die besten Calciumquellen
Brokkoli, Grünkohl, Rucola
gute Calciumlieferanten
Samen und Nüsse
gute Calciumlieferanten
calciumreiches Mineralwasser
mehr als 150 mg pro Liter – kann für die Versorgung bedeutend sein
Viele Praxen verschreiben zum Kortison bereits ein Vitamin-D- oder Calcium-Präparat. Dann nichts zusätzlich nehmen, ohne es abzusprechen. Bei Nierensteinen, Sarkoidose oder erhöhtem Calcium gelten laut Leitlinie Ausnahmen.[1]
Ernährung, Gewicht und Blutzucker unter Kortison
Kortison beeinflusst den Stoffwechsel. In einer Befragung von 2.167 Langzeit-Behandelten war Gewichtszunahme mit 70 % die am häufigsten genannte Nebenwirkung. Fachleute raten deshalb zu regelmäßiger Bewegung und einer gesunden, kalorienbewussten Ernährung.[5]
Auch der Blutzucker kann steigen: In einer Meta-Analyse hatten 32,3 % der Menschen ohne vorbestehenden Diabetes unter Kortison erhöhte Blutzuckerwerte, bei 18,6 % wurde ein Diabetes festgestellt.[4] Ob und wann dein Blutzucker kontrolliert wird, entscheidet die Praxis.
Kortison kann Muskeln abbauen.[5] Ab 65 Jahren mit erhöhtem Sturzrisiko empfiehlt die DVO-Leitlinie 1,0 g Eiweiß pro kg Körpergewicht und Tag – dazu Kraft- und Balancetraining.[1]
Und der Magenschutz?
Viele bekommen zum Kortison zusätzlich einen Magenschutz (Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol). Ob du ihn brauchst und wie lange, entscheidet die Praxis. Wichtig zu wissen: Die DVO-Leitlinie nennt Protonenpumpenhemmer bei Langzeiteinnahme selbst als Medikamente, die das Frakturrisiko beeinflussen können.[1] Was das für Magnesium, Vitamin B12 und Calcium bedeutet, liest du in der Übersicht Nahrungsergänzung und Magenschutz (PPI).
Laut Packungsbeilage wird die gesamte Tagesdosis Prednisolon im Allgemeinen frühmorgens zwischen 6 und 8 Uhr genommen – unzerkaut, mit ausreichend Flüssigkeit, während oder direkt nach einer Mahlzeit. Höhere Dosen können auf mehrere Gaben verteilt werden; dein Schema legt die Praxis fest.[6][7]
Ein möglicher Kortison-Morgen
6:00Magenschutz, falls verordnetPantoprazol kommt laut eigener Packungsbeilage 1 Stunde vor einer Mahlzeit.
7:00Frühstück + KortisonDie Tagesdosis zum Essen – nicht auf leeren Magen.
+2 Std.Antazida erst mit AbstandMagnesium- oder Aluminiumhydroxid können die Aufnahme verringern.
Beispielzeiten. Quellen: Packungsbeilagen von Prednisolon und Pantoprazol [6] [7]. Ersetzt keine ärztliche Beratung.
Was verändert eine längere Kortison-Therapie im Körper?+
Laut Fachinformation kann Prednisolon Natrium und Wasser zurückhalten, Kalium ausschwemmen, den Blutzucker erhöhen, den Appetit steigern und Eiweiß sowie Calcium abbauen. Bei längerer Einnahme leiden außerdem die Knochen: Etwa 30 bis 50 Prozent der Menschen mit einer Langzeittherapie entwickeln eine Osteoporose. Die Details stehen in den Ratgeber-Artikeln unten.
Ab welcher Dosis und Dauer zählen die Knochen?+
Die DVO-Leitlinie 2023 zählt schon unter 2,5 Milligramm Prednisolon-Äquivalent pro Tag über mehr als 3 Monate als Risikofaktor. Ab 7,5 Milligramm über mehr als 3 Monate soll bereits bei der Planung eine Knochendichtemessung erfolgen. Mehr: Kortison und Knochen.
Was sagt die Leitlinie zu Vitamin D und Calcium?+
Mindestens 800 I.E. Vitamin D pro Tag; Supplemente sollen 2.000 bis 4.000 I.E. pro Tag nicht überschreiten. Calcium: 1000 Milligramm pro Tag als Gesamtzufuhr aus Essen und Trinken – Tabletten nur, wenn die Ernährung nicht reicht. Beides sind Basismaßnahmen und ersetzen keine Osteoporose-Therapie. Hat die Praxis schon ein Präparat verschrieben, nimm nichts zusätzlich, ohne es abzusprechen.
Worauf achte ich bei der Ernährung unter Kortison?+
Salz sparsam, Zucker und Weißmehl reduzieren, Eiweiß und Gemüse zu jeder Mahlzeit und regelmäßig bewegen. Gewichtszunahme ist häufig: In einer Befragung von 2.167 Langzeit-Anwendern nannten 70 Prozent sie als Nebenwirkung. Mit Beispieltag: Ernährung bei Kortison.
Wann sollte der Blutzucker kontrolliert werden?+
In einer Meta-Analyse hatten 32,3 Prozent der Menschen ohne bekannten Diabetes unter Kortison erhöhte Blutzuckerwerte. Der Anstieg zeigt sich vor allem mittags und nachmittags – morgens nüchtern ist der Wert oft nur leicht erhöht. Ob und wie gemessen wird, besprichst du mit deiner Praxis. Mehr: Kortison und Blutzucker.
Was gilt für Schmerzmittel und den Magen?+
Ambulant war das Risiko für Magen-Darm-Blutungen durch Kortison allein in Studien sehr klein. Deutlich stärker stieg es, wenn Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac dazukamen. Ob du einen Magenschutz brauchst, entscheidet die Praxis. Mehr: Kortison und Magenschutz.
Kann Kortison Osteoporose auslösen?+
Ja, das ist eine bekannte Folge einer längeren Therapie: Laut Übersichtsarbeit entwickeln etwa 30 bis 50 Prozent der Menschen mit Kortison-Langzeittherapie eine Osteoporose, am schnellsten geht Knochen in den ersten 3 bis 6 Monaten verloren. Die DVO-Leitlinie empfiehlt deshalb früh Calcium, Vitamin D, Bewegung und je nach Dosis eine Knochendichtemessung.
Wann am Tag wird Kortison genommen?+
Laut Packungsbeilage von Prednisolon im Allgemeinen die ganze Tagesdosis frühmorgens zwischen 6 und 8 Uhr, während oder direkt nach einer Mahlzeit. Teilt die Praxis die Dosis auf, gilt ihr Schema.
Welche Medikamente vertragen sich nicht gut mit Kortison?+
Laut Packungsbeilage unter anderem Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder ASS (mehr Magen-Darm-Blutungen), Blutverdünner vom Cumarin-Typ (INR-Kontrolle), Entwässerungs- und Abführmittel (Kaliumverlust) und Diabetes-Medikamente (schwächere Wirkung). Antazida mit Magnesium- oder Aluminiumhydroxid sollen 2 Stunden Abstand haben.
Darf ich Kortison selbst absetzen?+
Nein. Nach längerer Einnahme bildet der Körper selbst zu wenig Kortisol. Ein abruptes Absetzen kann zu einer gefährlichen Nebennierenschwäche führen. Dosis und Ausschleichen legt immer die Praxis fest. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung.
Wie wir arbeiten
Primärquellen statt Werbung: deutsche Osteoporose-Leitlinie (DVO), DGE-Referenzwerte und Studien – jede Aussage mit Nummer in den Quellen.
Ehrlich bei Lücken: Für Kortison-Sprays und -Cremes nennt die Leitlinien-Kurzfassung keine eigenen Zahlen – das sagen wir dazu.
Keine Heilversprechen: Kein Nahrungsergänzungsmittel schützt vor Osteoporose oder gleicht eine Arzneimittelwirkung aus.
Regelmäßig geprüft: Quellen zuletzt geprüft am 31.10.2026.
Kobza AO et al.:Glucocorticoid-induced osteoporosis (Übersichtsarbeit), 2021 – 30–50 % Osteoporose, Verlust in den ersten 3–6 Monaten, Hüfte +60 %, Wirbel +160 %, nur etwa 15 % optimal versorgt, negative Calciumbilanz.
DGE:Referenzwerte Calcium – 1000 mg pro Tag für Erwachsene, Lebensmittelquellen, calciumreiches Mineralwasser über 150 mg/l.
Hexal AG:PredniHEXAL 5 mg Tabletten – Gebrauchsinformation (Prednisolon), Stand 09/2017 – Einnahme frühmorgens 6–8 Uhr während oder nach einer Mahlzeit, Antazida 2 Stunden Abstand, Wechselwirkungen mit NSAR, Cumarinen, Saluretika/Laxantien und Antidiabetika.
BASG:Prednisolon „Nycomed“ 5 mg – Fachinformation, Stand 04/2026 – zirkadiane Einnahme 6–8 Uhr nach dem Essen, Aufteilung der Dosis, INR-Kontrolle bei Warfarin, Kaliumverlust mit Diuretika.
Quellen geprüft am 31.10.2026. Die einzelnen Ratgeber-Artikel nennen ihre Quellen jeweils am Ende.
Diese Seite dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Setz Kortison nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
Wenn du ergänzen möchtest
Nur nach Rücksprache: Vitamin D3 + K2
Viele Praxen verschreiben zum Kortison bereits Vitamin D oder Calcium – dann bitte nichts zusätzlich. Calcium führen wir nicht; das bekommst du am besten über das Essen. Wenn deine Praxis Vitamin D aus einem Nahrungsergänzungsmittel für passend hält: Hier ist jede Menge offen deklariert, mit Prüfbericht zur Charge.
Nahrungsergänzung ersetzt keine Osteoporose-Therapie und gleicht keine Wirkung von Kortison aus. Setz Kortison nie eigenmächtig ab. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung.