Zink

Zink bei Erkältung: Was der Cochrane-Review 2024 zeigt

Bei den ersten Halskratzern greifen viele zu Zink. Was die größte aktuelle Auswertung von 34 Studien dazu sagt, was für Zink zugelassen ist und wo die Grenze zwischen sinnvoll und zu viel liegt.

8 Min. LesezeitAktualisiert Mit Werkzeug: Zink-Rechner
Tasse Tee, Wolldecke und ein Schälchen mit Kapseln auf einer hellen Fensterbank an einem grauen Herbsttag
Tasse Tee, Wolldecke und ein Schälchen mit Kapseln auf einer hellen Fensterbank an einem grauen Herbsttag

Kaum beginnt die Erkältungssaison, steigt die Nachfrage nach Zink. Lutschtabletten, Brausetabletten, Kapseln – alle versprechen indirekt dasselbe. Was davon ist belegt?

Die kurze Antwort: Für Zink ist in der EU zugelassen, dass es zu einer normalen Funktion des Immunsystems beiträgt – eine Angabe zu Erkältungen gibt es nicht. Der Cochrane-Review von 2024 mit 34 Studien kommt zu dem Ergebnis, dass Zink zur Vorbeugung wahrscheinlich wenig oder nichts bewirkt. Bei bereits bestehender Erkältung könnte Zink die Dauer um etwa zwei Tage verkürzen – die Aussagekraft dieser Ergebnisse ist aber niedrig, und Nebenwirkungen wie Geschmacksstörungen und Magenbeschwerden sind häufiger.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zugelassen: Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Eine Angabe zu Erkältungen ist nicht zugelassen.
  • Cochrane-Review 2024 (Nault et al.): 34 Studien, über 8.500 Teilnehmende.
  • Vorbeugung: möglicherweise wenig oder kein Effekt auf das Erkältungsrisiko und die Schwere (niedrige Aussagekraft), wahrscheinlich kein relevanter Effekt auf die Dauer (moderate Aussagekraft).
  • Behandlung: möglicherweise rund zwei Tage kürzere Beschwerden – niedrige Aussagekraft.
  • Nebenwirkungen: veränderter Geschmack und Magenbeschwerden traten unter Zink häufiger auf; die meisten Behandlungsstudien untersuchten Lutschtabletten.
  • Obergrenze: 25 mg Zink pro Tag aus allen Quellen (EFSA) – bei mehreren Produkten schnell erreicht.

1. Was für Zink zugelassen ist

Zugelassen ist für Zink nur die allgemeine Aussage „Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“; Aussagen wie „gegen Erkältung“, „verkürzt Erkältungen“ oder „schützt vor Infekten“ sind in der EU nicht erlaubt.

Die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 erlaubt für Zink unter anderem: „Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.“ Das beschreibt die Rolle des Mineralstoffs im Körper. Aussagen wie „gegen Erkältung“, „verkürzt Erkältungen“ oder „schützt vor Infekten“ sind nicht zugelassen. Zink für Haare und Nägel: Biotin oder Zink?.

Kürbiskerne, Cashews, Haferflocken und Linsen in kleinen Keramikschalen auf heller Steinplatte, von oben

2. Was der Cochrane-Review zeigt

Der Cochrane-Review von Nault und Kollegen aus dem Mai 2024 wertete 34 placebokontrollierte Studien mit gut 8.500 Teilnehmenden aus. Zur Vorbeugung zeigte Zink wahrscheinlich wenig oder keinen Effekt; eine um rund zwei Tage kürzere Erkältung ist möglich, die Aussagekraft aber niedrig.

Der Cochrane-Review 2024 (34 Studien, 8.526 Teilnehmende) findet für die Vorbeugung möglicherweise wenig oder keinen Effekt; bei bestehender Erkältung könnten die Beschwerden rund zwei Tage kürzer sein – bei niedriger Aussagekraft und häufigeren Nebenwirkungen.

Der Cochrane-Review „Zinc for prevention and treatment of the common cold“ (Nault und Kollegen, Mai 2024) hat 34 placebokontrollierte Studien mit gut 8.500 Erwachsenen und Kindern ausgewertet.

Frage Ergebnis Aussagekraft
Beugt Zink Erkältungen vor? möglicherweise wenig oder kein Effekt auf das Erkältungsrisiko und die Schwere (niedrige Aussagekraft), wahrscheinlich kein relevanter Effekt auf die Dauer (moderate Aussagekraft) niedrig
Verkürzt Zink eine bestehende Erkältung? möglicherweise um rund zwei Tage niedrig
Nebenwirkungen veränderter Geschmack und Magenbeschwerden häufiger als unter Placebo –

Viele Studien hatten ein unklares oder hohes Verzerrungsrisiko und sehr unterschiedliche Methoden. Die Autoren halten feste Schlussfolgerungen deshalb für schwierig und weisen darauf hin, dass Zink bei der Behandlung wahrscheinlich häufiger zu nicht schweren Nebenwirkungen führt.

Infografik

Zink und Erkältung: was der Cochrane-Review 2024 zeigt

Datenbasis
34 Studien
8.526 Erwachsene und Kinder, placebokontrolliert.
Vorbeugung
kaum / kein Effekt
auf Risiko und Schwere (niedrige Aussagekraft), auf die Dauer wahrscheinlich kein relevanter Effekt.
Behandlung
≈ 2 Tage
möglicherweise kürzere Beschwerden – niedrige Aussagekraft.
Neben­wirkungen
häufiger
veränderter Geschmack und Magen­beschwerden als unter Placebo.

Quelle: Nault D et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2024, CD014914.pub2. Keine zugelassene Angabe zu Erkältungen.

3. Lutschtabletten, Kapseln, Brause – was ist der Unterschied?

Die meisten Behandlungsstudien nutzten Lutschtabletten, mehrmals täglich und in Tagesmengen, die weit über der Obergrenze von 25 mg liegen; eine Zinkkapsel einmal täglich zur Mahlzeit ist etwas anderes – die Ergebnisse lassen sich nicht einfach übertragen.

Die meisten Behandlungsstudien haben Lutschtabletten untersucht, die über den Tag verteilt mehrfach genommen werden. Damit kommen schnell hohe Tagesmengen zusammen. Kapseln, die einmal täglich zu einer Mahlzeit genommen werden, sind etwas anderes – die Ergebnisse lassen sich nicht einfach übertragen.

Infografik

Studien-Dosen vs. Obergrenze: Zink pro Tag

BfR-Vorschlag je Nahrungsergänzungsmittel6,5 mg
Obergrenze aus allen Quellen (SCF/EFSA)25 mg
Niedrigste Tagesmenge in Behandlungsstudien45 mg
Ab hier Effekte auf die Dauer beschrieben (ODS)über 75 mg
Höchste Tagesmenge in Behandlungsstudien276 mg

Quellen: Verbraucherzentrale „Mehr Zink bei Erkältungen?“ (45 bis 276 mg pro Tag, meist Lutschpastillen); Office of Dietary Supplements (NIH), Zinc Fact Sheet; BfR (2021); EFSA. Studiendosen sind keine Einnahmeempfehlung.

4. Wie viel Zink ist zu viel?

Für Erwachsene gelten 25 mg Zink pro Tag aus allen Quellen als Obergrenze; wer in der Erkältungszeit Kapseln, Lutschtabletten und ein Multivitamin kombiniert, liegt schnell darüber – und dauerhaft zu viel Zink kann die Kupferaufnahme beeinträchtigen.

Bezugsgröße Menge pro Tag
Nährstoffbezugswert (NRV) 10 mg
Höchstmengenvorschlag des BfR für Nahrungsergänzungsmittel 6,5 mg
Tolerierbare Gesamtzufuhr für Erwachsene (EFSA, alle Quellen) 25 mg

Wer in der Erkältungszeit Zinkkapseln, Lutschtabletten und ein Multivitamin kombiniert, liegt schnell über 25 mg. Dauerhaft zu viel Zink kann die Kupferaufnahme beeinträchtigen. Alle Quellen zusammenrechnen kannst du im Zink-Rechner; mehr in Zink: Wie viel am Tag ist zu viel?

Eine einzelne Kapsel auf einem weißen Unterteller neben einem Glas Wasser auf heller Steinplatte
Infografik

Zink in der Erkältungszeit: drei Zahlen

6,5 mg – BfR-Vorschlag je Tagesdosis eines NahrungsergänzungsmittelsVorsorgewert
10 mg – Nährstoffbezugswert (100 % NRV) auf dem EtikettKennzeichnung
25 mg – Obergrenze für Erwachsene aus allen Quellen zusammennicht überschreiten

Quellen: BfR-Höchstmengenvorschlag Zink (2021); Verordnung (EU) Nr. 1169/2011; EFSA-Übersicht der Obergrenzen (2025). Alle Quellen addiert der Zink-Rechner.

5. Was bei Erkältung tatsächlich hilft

Eine Erkältung heilt meist von selbst ab; Ruhe, ausreichend Trinken und Schlaf sind die Basis – hohes oder anhaltendes Fieber, Atemnot, starke Schmerzen oder Beschwerden über zehn Tage gehören ärztlich abgeklärt.

Eine Erkältung heilt in der Regel von selbst ab. Ruhe, ausreichend Trinken und Schlaf sind die Basis. Ärztlich abklären solltest du hohes oder anhaltendes Fieber, Atemnot, starke Schmerzen oder Beschwerden, die länger als zehn Tage dauern oder sich verschlechtern.

Infografik

Erkältung: was zählt – und wann zum Arzt

Die Basis
Ruhe · Trinken · Schlaf
Eine Erkältung heilt in der Regel von selbst ab.
Ärztlich abklären
Warnzeichen
hohes oder anhaltendes Fieber, Atemnot, starke Schmerzen, Beschwerden über 10 Tage oder Verschlechterung.

Dieser Überblick ersetzt keine ärztliche Beratung.

6. Was das für unser Zink bedeutet

Unsere Zink Bisglycinat Kapseln liefern 15 mg Zink pro Kapsel; wir bewerben Zink nicht gegen Erkältungen, weil das weder zugelassen noch ausreichend belegt ist – und nicht zusammen mit Lutschtabletten oder anderen zinkhaltigen Präparaten.

Unsere Zink Bisglycinat Kapseln liefern 15 mg Zink pro Kapsel. Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems und zur Erhaltung normaler Haut, Haare und Nägel bei. Wir bewerben Zink nicht gegen Erkältungen, weil das weder zugelassen noch ausreichend belegt ist.

Ehrlich eingeordnet: 15 mg liegen über dem Höchstmengenvorschlag des BfR für Nahrungsergänzungsmittel und unter der EFSA-Obergrenze für die Gesamtzufuhr. Das Produkt ist nicht für die Dauereinnahme gedacht und nicht zusammen mit Zink-Lutschtabletten oder anderen zinkhaltigen Präparaten. Zink am besten zu einer Mahlzeit nehmen – zu viel Zink kann Übelkeit und Magenbeschwerden auslösen.

7. Weiterlesen im Ratgeber

Hinweise: Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.

8. Häufige Fragen

Eine zugelassene Angabe zu Erkältungen gibt es nicht, zugelassen ist nur, dass Zink zu einer normalen Funktion des Immunsystems beiträgt. Die Gesamtzufuhr sollte 25 mg pro Tag nicht überschreiten.

Hilft Zink bei Erkältung?

Laut Cochrane-Review 2024 könnte Zink eine bestehende Erkältung um etwa zwei Tage verkürzen, die Aussagekraft ist aber niedrig. Zur Vorbeugung zeigt Zink wahrscheinlich wenig oder keinen Effekt. Eine zugelassene Angabe zu Erkältungen gibt es nicht.

Kann Zink Erkältungen vorbeugen?

Nach heutiger Studienlage wahrscheinlich nicht. Zugelassen ist, dass Zink zu einer normalen Funktion des Immunsystems beiträgt.

Wie viel Zink bei Erkältung?

Eine zugelassene Dosis „bei Erkältung“ gibt es nicht. Die Gesamtzufuhr aus allen Quellen sollte 25 mg pro Tag nicht überschreiten; die Tagesmenge auf dem Etikett gilt.

Welche Nebenwirkungen hat Zink?

Vor allem Geschmacksveränderungen, Übelkeit und Magenbeschwerden, besonders bei zu hoher Zufuhr. Dauerhaft zu viel Zink kann die Kupferaufnahme beeinträchtigen.

Zink oder Vitamin C bei Erkältung?

Für beide ist zugelassen, dass sie zu einer normalen Funktion des Immunsystems beitragen. Eine zugelassene Angabe zur Behandlung oder Vorbeugung von Erkältungen gibt es für keinen der beiden Nährstoffe.

Quellen

Die Angaben in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Quellen. Zu jeder Quelle steht, welche Aussage sie belegt.

  1. Cochrane (Nault D, Machingo TA, Shipper AG et al.): „Zinc for prevention and treatment of the common cold“, Cochrane Database of Systematic Reviews 2024, Issue 5, Art. No. CD014914 (CD014914.pub2), 2024.
    Belegt: 34 RCTs, 8.526 Teilnehmende; Vorbeugung kaum oder kein Effekt; Behandlung möglicherweise rund 2,4 Tage kürzer (niedrige Aussagekraft).
  2. Cochrane: „Zinc for prevention and treatment of the common cold (Plain language summary)“, CD014914, 2024.
    Belegt: Vorbeugung möglicherweise ohne Effekt; 12 Studien mit Kindern, 22 mit Erwachsenen; Geschmacksstörungen und Magenbeschwerden am häufigsten.
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „Höchstmengenvorschläge für Zink in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln“, Höchstmengenvorschläge (Aktualisierung 2021), 2021.
    Belegt: BfR-Höchstmengenvorschlag für Zink in Nahrungsergänzungsmitteln: 6,5 mg pro Tagesverzehrsempfehlung.
  4. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): „Overview on Tolerable Upper Intake Levels as derived by the Scientific Committee on Food (SCF) and the EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA)“, Version 11, 2025.
    Belegt: Tolerierbare Obergrenze (UL) für Zink bei Erwachsenen: 25 mg pro Tag aus allen Quellen.
  5. Europäisches Parlament und Rat der EU: „Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel“, Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII Teil A, 25.10.2011.
    Belegt: Nährstoffbezugswert (NRV) für Zink: 10 mg pro Tag.
  6. Verbraucherzentrale Bundesverband: „Mehr Zink bei Erkältungen?“, Online-Ratgeber, 11.08.2026.
    Belegt: Angabe Immunsystem zugelassen; Behandlungsstudien nutzten 45 bis 276 mg pro Tag, meist Lutschpastillen; hohe Zufuhr kann Kupferaufnahme beeinträchtigen.
  7. Europäische Kommission: „Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern“, Verordnung (EU) Nr. 432/2012, 16.05.2012.
    Belegt: Rechtsgrundlage der zugelassenen Angabe 'Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei'.
  8. Office of Dietary Supplements (ODS, NIH): „Zinc: Fact Sheet for Health Professionals“, Health Professional Fact Sheet, 06.01.2026.
    Belegt: Zu viel Zink kann Übelkeit, Erbrechen und Magenbeschwerden verursachen; Studien zur Erkältung nutzten meist Lutschtabletten (Zinkacetat/-gluconat), Effekte auf die Dauer bei Dosen über 75 mg/Tag.

Quellen geprüft am 12.10.2026.


Geschrieben und recherchiert von Yuri Koch. Stand: Oktober 2026.

Einzelnachweise: 1. Nault D et al.: „Zinc for prevention and treatment of the common cold“, Cochrane Database of Systematic Reviews, 2024 (CD014914.pub2). 2. EFSA: Tolerable Upper Intake Levels for Vitamins and Minerals (Zink: 25 mg/Tag). 3. BfR: Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. 4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012.

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