Dosierung

Wie viel Zink am Tag – und ab wann ist es zu viel?

Wie viel Zink am Tag du brauchst, hängt von deiner Ernährung ab: 7 bis 16 mg laut DGE. Hier erfährst du, ab wann es zu viel wird, wie du Etiketten richtig liest und warum die Summe aller Quellen zählt.

von Yuri Koch Lesezeit: 14 Minuten
Zinkreiche Lebensmittel wie Kürbiskerne, Haferflocken und Linsen
Zinkreiche Lebensmittel wie Kürbiskerne, Haferflocken und Linsen

Kurze Antwort: Wie viel Zink am Tag du brauchst, hängt vor allem davon ab, wie viel Vollkorn und Hülsenfrüchte du isst: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt für Frauen 7 bis 10 mg, für Männer 11 bis 16 mg pro Tag. Zu viel wird es, wenn Essen und Präparate zusammen dauerhaft über 25 mg täglich liegen – das ist die von der EFSA abgeleitete Obergrenze für Erwachsene. Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) höchstens 6,5 mg Zink pro Tagesdosis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Zink-Tagesbedarf ist keine feste Zahl. Die DGE staffelt ihre Empfehlung nach der Phytatzufuhr – wer viel Vollkorn und Hülsenfrüchte isst, braucht mehr.
  • 25 mg pro Tag aus allen Quellen ist die tolerierbare Obergrenze für Erwachsene. Essen, Multivitamin und Zinkpräparat zählen zusammen.
  • 6,5 mg pro Tagesdosis ist die Höchstmengenempfehlung des BfR für Nahrungsergänzungsmittel. Sie ist rechtlich nicht bindend – viele Produkte liegen darüber.
  • Das eigentliche Risiko bei Dauer-Überdosierung heißt Kupfermangel. Er entwickelt sich langsam und fällt oft erst im Blutbild auf.
  • Auf dem Etikett zählt das elementare Zink, nicht das Gewicht der Verbindung. 50 mg Zinkbisglycinat sind je nach Rohstoff nur etwa 10 bis 15 mg Zink.

1. Wie viel Zink am Tag? Die kurze Antwort

Zink ist ein Spurenelement, das der Körper nicht in nennenswerten Mengen speichern kann. Er braucht deshalb eine regelmäßige Zufuhr – und zwar keine große. Die meisten Erwachsenen in Deutschland kommen mit ihrer normalen Ernährung in die Nähe der Empfehlung: Laut Nationaler Verzehrsstudie II nehmen Frauen im Mittel rund 8 mg und Männer rund 11 mg Zink pro Tag auf. Frauen liegen damit meist im empfohlenen Bereich, Männer eher am unteren Rand oder darunter.

Die Frage „wie viel Zink am Tag“ hat deshalb zwei Seiten: Wie viel brauche ich? Und: Wie viel darf es insgesamt werden, bevor es zu viel ist? Zwischen beiden Zahlen liegt ein Abstand, der kleiner ist als bei vielen anderen Nährstoffen. Genau deshalb lohnt es sich, bei Zink nachzurechnen, statt nach dem Prinzip „viel hilft viel“ zu dosieren.

Wert Erwachsene Was er bedeutet
DGE-Referenzwert Frauen 7–10 mg/Tag Empfohlene Zufuhr, abhängig von der Phytatzufuhr
DGE-Referenzwert Männer 11–16 mg/Tag Empfohlene Zufuhr, abhängig von der Phytatzufuhr
NRV (Nährstoffbezugswert) 10 mg/Tag Kennzeichnungswert für „% NRV“ auf der Packung
BfR-Höchstmengenempfehlung für NEM 6,5 mg pro Tagesdosis Empfohlene Obergrenze für ein Nahrungsergänzungsmittel
Tolerierbare Obergrenze (EFSA/SCF) 25 mg/Tag Gesamtzufuhr aus allen Quellen, die dauerhaft nicht überschritten werden sollte

2. Zink-Tagesbedarf für Frau und Mann (DGE-Tabelle)

Seit 2019 gibt die DGE für Jugendliche ab 15 und Erwachsene keinen einzelnen Zinkwert mehr an, sondern drei – je nachdem, wie viel Phytat mit der Nahrung aufgenommen wird. Phytat ist ein Pflanzenstoff, der Zink im Darm bindet und damit schlechter verfügbar macht. Die DGE unterscheidet eine niedrige (330 mg/Tag), mittlere (660 mg/Tag) und hohe (990 mg/Tag) Phytatzufuhr.

Gruppe Phytat niedrig Phytat mittel Phytat hoch
Männer ab 19 Jahren 11 mg 14 mg 16 mg
Frauen ab 19 Jahren 7 mg 8 mg 10 mg
Jugendliche 15–19 Jahre, männlich 14 mg 16 mg 16 mg
Jugendliche 15–19 Jahre, weiblich 11 mg 11 mg 11 mg
Schwangere, 1. Trimester 7 mg 9 mg 11 mg
Schwangere, 2. und 3. Trimester 9 mg 11 mg 13 mg
Stillende 11 mg 13 mg 14 mg

Referenzwerte der DGE für die Zinkzufuhr in mg pro Tag, Stand 2019.

Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Der Zink-Tagesbedarf beim Mann liegt je nach Spalte 4 bis 6 mg über dem der Frau. Das hat mit Körpergröße und Stoffwechsel zu tun, nicht mit einem besonderen „Männernährstoff“. In Schwangerschaft und Stillzeit steigt der Bedarf – ob dann ein Präparat sinnvoll ist, gehört in die Frauenarztpraxis, nicht in den Selbstversuch.

3. Phytat und Zink: welche Spalte gilt für dich?

Phytat (Phytinsäure) steckt vor allem in Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen. Das sind grundsätzlich wertvolle Lebensmittel – sie führen nur dazu, dass aus derselben Menge Zink weniger im Blut ankommt. Die DGE ordnet die drei Stufen grob so ein:

  • Niedrig: wenig Vollkorn und Hülsenfrüchte, Eiweiß überwiegend aus tierischen Lebensmitteln.
  • Mittel: eine gesundheitsfördernde Mischkost mit Fleisch und/oder Fisch, aber auch Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Für die meisten ist das die realistische Spalte.
  • Hoch: viele nicht gekeimte oder unfermentierte Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte, kaum oder kein tierisches Eiweiß – typisch für eine vegane oder sehr vollkornbetonte Ernährung.

Der Hinweis „nicht gekeimt oder unfermentiert“ ist praktisch relevant: Einweichen, Keimen und Sauerteig bauen einen Teil des Phytats ab. Wer vegan isst, muss deshalb nicht automatisch ein Präparat nehmen, sondern sollte zuerst wissen, dass für ihn eher die rechte Spalte der Tabelle gilt. Einen guten Überblick darüber, was du über den Tag verteilt aufnimmst, liefert der Zink-Rechner.

Nachrechnen statt schätzen: Mit dem Zink-Rechner rechnest du die Menge einer Zinkverbindung in elementares Zink um, siehst den Anteil am NRV (10 mg) und den Abstand zur Obergrenze von 25 mg pro Tag.

4. Zink-Höchstmenge: drei Zahlen, drei Bedeutungen

Wer nach der Zink-Höchstmenge sucht, stößt auf mindestens drei verschiedene Zahlen. Sie widersprechen sich nicht, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.

25 mg: die Obergrenze für die Gesamtzufuhr

Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU (SCF) hat 2003 für Erwachsene einen „Tolerable Upper Intake Level“ (UL) von 25 mg Zink pro Tag abgeleitet; die EFSA führt diesen Wert bis heute. Grundlage waren Studien, in denen rund 50 mg Zink täglich über mehrere Wochen den Kupferstatus noch nicht messbar veränderten. Dieser Wert wurde wegen der kleinen Studiengruppen durch zwei geteilt. Der UL gilt für alles zusammen: Lebensmittel, angereicherte Produkte und Nahrungsergänzung. Schwangere und Stillende haben denselben Wert. Für Jugendliche von 15 bis 17 Jahren liegt er bei 22 mg, für jüngere Kinder deutlich niedriger (7 mg bei 1- bis 3-Jährigen).

6,5 mg: die Empfehlung für Nahrungsergänzungsmittel

Das BfR empfiehlt seit 2021 höchstens 6,5 mg Zink pro Tagesverzehrempfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels. Die Logik: Vom UL wird abgezogen, was Menschen mit hoher Zufuhr bereits über das Essen aufnehmen. Bei Männern liegt diese hohe Zufuhr (95. Perzentile) laut BfR je nach Altersgruppe zwischen 16,8 und 22,9 mg pro Tag – der Spielraum ist also schmal. Für Produkte mit mehr als 3,5 mg Zink pro Tagesdosis empfiehlt das BfR zusätzlich den Hinweis, auf weitere zinkhaltige Nahrungsergänzungsmittel zu verzichten. Eine Zinkergänzung für Kinder und Jugendliche sieht das BfR nicht vor.

Wichtig zur Einordnung: Die BfR-Werte sind Empfehlungen, keine gesetzlichen Grenzen. EU-weit einheitliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es bislang nicht. Deshalb sind im Handel viele Präparate mit 10, 15 oder 25 mg erhältlich.

10 mg: der NRV auf dem Etikett

Der Nährstoffbezugswert (NRV) von 10 mg ist ein Kennzeichnungswert aus der Lebensmittelinformationsverordnung. Er dient nur dazu, „% NRV“ auf die Packung zu schreiben – er ist weder eine persönliche Empfehlung noch eine Grenze.

5. Sind 25 mg Zink zu viel?

Die Frage taucht oft auf, weil 25 mg eine sehr verbreitete Dosierung in Zinkpräparaten ist. Die ehrliche Antwort: Als Dauerdosis aus einem Präparat ja, für die meisten Erwachsenen ist das zu viel. Denn 25 mg ist die Obergrenze für die gesamte Zufuhr. Wer 25 mg aus einer Tablette nimmt und zusätzlich die üblichen 8 bis 11 mg über das Essen aufnimmt, landet bei 33 bis 36 mg – deutlich über dem UL.

Eine Überschreitung heißt nicht, dass sofort etwas passiert. Der UL enthält einen Sicherheitsabstand, und eine kurze Einnahme über wenige Tage ist nicht vergleichbar mit Monaten. Das Problem ist die Gewohnheit: Wer „für das Immunsystem“ monatelang hoch dosiert, bewegt sich dauerhaft in einem Bereich, für den der Sicherheitsspielraum nicht gedacht ist.

Bemerkenswert ist auch die Arzneimittel-Perspektive: Zinkhaltige Arzneimittel sind in Deutschland apothekenpflichtig und in Dosierungen über 25 mg verschreibungspflichtig. Eine gemeinsame Expertenkommission von BVL und BfArM hat 2023 außerdem darauf hingewiesen, dass der UL bei manchen Menschen schon über die normale Ernährung überschritten werden kann.

Übrigens: Die zugelassenen Aussagen für Zink werden mit mehr Milligramm nicht stärker. „Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ gilt für ein Präparat mit wenigen Milligramm genauso wie für eines mit 25 mg. Dasselbe gilt für „Zink trägt zur Erhaltung normaler Haut bei“ oder „Zink trägt zur Erhaltung normaler Nägel bei“. Welche weiteren Aussagen es rund um Haare gibt und wie Zink im Vergleich zu Biotin abschneidet, erklärt unser Artikel Biotin oder Zink für Haare und Nägel.

6. Zink-Überdosierung: Symptome und die Rolle von Kupfer

Bei Zink gibt es zwei ganz unterschiedliche Arten von „zu viel“: die akute große Einzeldosis und die dauerhaft zu hohe Zufuhr.

Akut: der Magen meldet sich

Nach dem SCF-Gutachten führen einmalige Mengen von 225 bis 450 mg zu Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Bauchkrämpfen und Durchfall. Das ist ein Vielfaches üblicher Präparate. Leichte Übelkeit kann aber schon bei normalen Dosen auftreten, wenn Zink auf leeren Magen genommen wird – das ist keine Überdosierung, sondern eine Frage der Einnahme. Mehr dazu in unserem Artikel Übelkeit nach Zink.

Chronisch: Zink verdrängt Kupfer

Zink und Kupfer nutzen im Darm zum Teil dieselben Wege. Hohe Zinkmengen regen in den Darmzellen die Bildung eines Proteins (Metallothionein) an, das Kupfer festhält, sodass es mit den Zellen wieder ausgeschieden wird. Über Wochen und Monate kann so ein Kupfermangel entstehen – der wichtigste Grund für die Obergrenze von 25 mg.

Die Folgen zeigen sich zuerst im Blut. Das SCF beschreibt bei langfristiger Zufuhr von etwa 150 mg pro Tag und mehr unter anderem:

  • niedrige Kupferwerte im Blut (Hypokupriämie),
  • zu wenige weiße Blutkörperchen, insbesondere neutrophile Granulozyten (Leukopenie, Neutropenie),
  • eine Form der Blutarmut (sideroblastische Anämie).

Das US-amerikanische Office of Dietary Supplements nennt zudem, dass eine Dauerzufuhr ab etwa 50 mg täglich die Kupferaufnahme hemmen, die Immunfunktion beeinträchtigen und das HDL-Cholesterin senken kann. In Fallberichten sind bei ausgeprägtem Kupfermangel auch neurologische Beschwerden beschrieben – etwa Taubheitsgefühle und Gangunsicherheit, zum Beispiel nach jahrelangem übermäßigem Gebrauch zinkhaltiger Zahnprothesen-Haftcreme.

Solche Symptome sind unspezifisch und können viele Ursachen haben. Wer über längere Zeit hoch dosiertes Zink nimmt und sich müde, blass oder infektanfällig fühlt, sollte das in der Arztpraxis ansprechen – dort lassen sich Blutbild und Kupferwerte bestimmen.

7. Etikett lesen: elementares Zink statt Verbindung

Zink steckt in Präparaten nie „pur“, sondern immer als Verbindung: gebunden an Glycin, Gluconsäure, Citronensäure oder Sauerstoff. Für die Dosis zählt nur der Zinkanteil, das sogenannte elementare Zink. In der Nährwerttabelle muss dieser Wert stehen. In der Zutatenliste oder in der Werbung steht dagegen oft das Gewicht der ganzen Verbindung – und das ist deutlich höher.

Verbindung Zinkanteil (ca.) 50 mg Verbindung liefern etwa
Zinkbisglycinat 20–31 % (rechnerisch rund 31 %, handelsübliche Rohstoffe teils um 20 %) 10–15 mg Zink
Zinkgluconat 14 % 7 mg Zink
Zinkcitrat (Trihydrat) 31 % 16 mg Zink
Zinksulfat (Heptahydrat) 23 % 11 mg Zink
Zinkoxid 80 % 40 mg Zink

Anteile rechnerisch aus den Molmassen; der tatsächliche Gehalt eines Rohstoffs kann je nach Wassergehalt und Herstellung abweichen. Maßgeblich ist immer die Angabe „Zink“ in der Nährwerttabelle.

Zinkbisglycinat: Dosierung richtig lesen

Bei Zinkbisglycinat ist das Zink an die Aminosäure Glycin gebunden. Die Form gilt als gut verträglich, die Menge der Verbindung sagt aber wenig über die Dosis. Steht „Zinkbisglycinat 50 mg“ auf der Dose, sind das je nach Rohstoff etwa 10 bis 15 mg Zink. Auch bei unseren Zink Bisglycinat Kapseln gilt: Die Tagesmenge an elementarem Zink steht in der Nährwerttabelle – diese Zahl gehört in deine Rechnung.

Drei Fragen helfen beim Lesen jedes Etiketts:

  • Steht „Zink“ oder der Name einer Verbindung neben der Milligrammzahl? Nur „Zink“ ist die Dosis.
  • Bezieht sich die Angabe auf eine Kapsel oder auf die Tagesportion? Bei zwei Kapseln täglich verdoppelt sich die Menge.
  • Wie viel % NRV? 100 % NRV entsprechen 10 mg, 250 % entsprechen 25 mg.

8. Alles zusammenzählen: Multivitamin, Kombipräparate, Haftcreme

Der häufigste Weg in eine zu hohe Zinkzufuhr ist nicht ein einzelnes hoch dosiertes Präparat, sondern die Summe. Zink steckt in vielen Multivitaminen, in „Immun“-Kombis, in Haar-Haut-Nägel-Produkten und in Lutschtabletten für die Erkältungszeit. Ein Beispiel für eine Frau mit Mischkost:

Quelle Zink pro Tag (Beispiel) Summe
Ernährung (Mittelwert Frauen, NVS II) 8 mg 8 mg
Multivitamin 5 mg 13 mg
Zinkpräparat 15 mg 28 mg
Zink-Lutschtabletten bei Erkältung, 3 Stück je 5 mg 43 mg

Rechenbeispiel mit fiktiven Produktmengen – die Werte deiner Produkte stehen in den jeweiligen Nährwerttabellen.

Jedes Produkt für sich wirkt harmlos, zusammen liegt die Zufuhr deutlich über 25 mg. Was in typischen Multivitaminen steckt, zeigt unser Artikel Multivitamin Gummies: was drin ist. Welche Präparate sich überhaupt gut kombinieren lassen, steht in der Kombinations-Tabelle, und wie Zink mit Vitamin D und Calcium zusammenpasst, im Artikel Vitamin D, Zink und Calcium zusammen einnehmen.

Eine Quelle, an die kaum jemand denkt: Die DGE weist darauf hin, dass Mundhygieneprodukte – insbesondere Zahnpasta, Mundwasser und Haftcremes – zu einer zu hohen Zinkzufuhr beitragen können. Bei Haftcremes waren es in den beschriebenen Fällen allerdings sehr große Mengen über Jahre; viele Hersteller haben das Zink inzwischen aus ihren Rezepturen genommen.

9. Wann höhere Dosen sinnvoll sind – nur ärztlich begleitet

Es gibt Situationen, in denen Ärztinnen und Ärzte mehr Zink verordnen, als der UL vorsieht. Das ist kein Widerspruch: Der UL beschreibt eine Menge, die gesunde Menschen dauerhaft ohne Kontrolle aufnehmen können. Eine Therapie ist etwas anderes – sie hat ein Ziel, eine Dauer und eine Kontrolle.

  • Nachgewiesener Zinkmangel, etwa bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, bei denen die Aufnahme gestört ist. Die DGE nennt ältere Menschen und Patienten mit solchen Erkrankungen als Gruppen mit schlechterem Zinkstatus.
  • Morbus Wilson, eine seltene Erbkrankheit, bei der sich Kupfer im Körper anreichert. Hier wird genau der Effekt genutzt, der bei Gesunden unerwünscht ist: Zink bremst die Kupferaufnahme. In der EU ist dafür ein Zinkacetat-Arzneimittel zugelassen.
  • Medikamente, die Zink beeinflussen, zum Beispiel harntreibende Mittel vom Thiazid-Typ, die die Zinkausscheidung erhöhen.

In allen diesen Fällen gilt: Dosis und Dauer legt die Ärztin oder der Arzt fest, und Blutwerte werden kontrolliert – inklusive Kupfer. Wer andere Medikamente nimmt, sollte außerdem auf Abstände achten. Bei bestimmten Antibiotika etwa kann Zink die Aufnahme des Wirkstoffs verringern; die Details erklärt unser Artikel Zink und Antibiotika: der richtige Abstand.

Für alle anderen gilt ein einfacher Rahmen: erst die eigene Ernährung einordnen, dann gezielt ergänzen, und die Summe aller Quellen unter 25 mg halten. Den schnellsten Überblick liefert der Zink-Rechner.

10. Häufige Fragen

Wie viel Zink am Tag ist gesund?

Die DGE empfiehlt Frauen 7 bis 10 mg und Männern 11 bis 16 mg Zink pro Tag, abhängig davon, wie viel Phytat aus Vollkorn und Hülsenfrüchten man aufnimmt. Aus allen Quellen zusammen sollten Erwachsene dauerhaft nicht mehr als 25 mg pro Tag aufnehmen.

Wie hoch ist der Zink-Tagesbedarf einer Frau?

7 mg bei niedriger, 8 mg bei mittlerer und 10 mg bei hoher Phytatzufuhr. In der Schwangerschaft steigt der Wert im 2. und 3. Trimester auf 9 bis 13 mg, in der Stillzeit auf 11 bis 14 mg.

Wie hoch ist der Zink-Tagesbedarf eines Mannes?

11 mg bei niedriger, 14 mg bei mittlerer und 16 mg bei hoher Phytatzufuhr. Für die meisten Männer mit Mischkost ist die mittlere Spalte mit 14 mg realistisch.

Sind 25 mg Zink am Tag zu viel?

Als Dauerdosis aus einem Präparat in der Regel ja. 25 mg ist die Obergrenze für die gesamte Zufuhr aus Essen und Präparaten. Zusammen mit der Nahrung liegt man dann meist über 30 mg. Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 6,5 mg pro Tagesdosis.

Was sind Symptome einer Zink-Überdosierung?

Sehr hohe Einzeldosen führen zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen und Durchfall. Eine dauerhaft zu hohe Zufuhr kann einen Kupfermangel auslösen, der sich zum Beispiel als Blutarmut oder zu wenige weiße Blutkörperchen zeigt. Bei Verdacht Blutbild und Kupferwerte ärztlich bestimmen lassen.

Warum beeinflusst Zink den Kupferhaushalt?

Hohe Zinkmengen regen in den Darmzellen die Bildung von Metallothionein an. Dieses Protein bindet Kupfer, das dann nicht ins Blut gelangt. Über Monate kann so ein Kupfermangel entstehen – deshalb basiert die Obergrenze von 25 mg auf dem Kupferstatus.

Wie viel Zink steckt in Zinkbisglycinat?

Rechnerisch rund 31 Prozent, handelsübliche Rohstoffe liegen teils bei etwa 20 Prozent. 50 mg Zinkbisglycinat liefern also etwa 10 bis 15 mg Zink. Maßgeblich ist die Angabe „Zink“ in der Nährwerttabelle.

Was bedeutet Phytat für die Zinkaufnahme?

Phytat aus Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen bindet Zink im Darm und senkt so die Aufnahme. Deshalb gibt die DGE höhere Referenzwerte für Menschen mit hoher Phytatzufuhr an. Einweichen, Keimen und Sauerteig bauen einen Teil des Phytats ab.

Darf ich ein Multivitamin und ein Zinkpräparat zusammen nehmen?

Das ist möglich, wenn die Summe stimmt. Zähle das Zink aus allen Produkten und schätze die Menge aus der Ernährung dazu. Liegt die Gesamtmenge dauerhaft über 25 mg pro Tag, sollte ein Produkt weg oder niedriger dosiert werden.


Geschrieben und recherchiert von der NervaraLab Redaktion. Inhaltlich geprüft auf Konformität mit der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006. Stand: September 2026.

Quellen:
1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für Zink, 2019. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/zink/
2. DGE: Ausgewählte Fragen und Antworten zu Zink (u. a. Zufuhr laut Nationaler Verzehrsstudie II, Mundhygieneprodukte). https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/ausgewaehlte-fragen-und-antworten-zu-zink/
3. Scientific Committee on Food (SCF): Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of Zinc, 2003. https://ec.europa.eu/food/fs/sc/scf/out177_en.pdf
4. EFSA: Overview on Tolerable Upper Intake Levels, Summary Report, 2024. https://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/2024-05/ul-summary-report.pdf
5. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Höchstmengenvorschläge für Zink in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln, 2021. https://www.bfr.bund.de/cm/343/hoechstmengenvorschlaege-fuer-zink-in-lebensmitteln-inklusive-nahrungsergaenzungsmitteln.pdf
6. BfR: Höchstmengenempfehlungen des BfR (Übersicht). https://www.bfr.bund.de/cm/343/hoechstmengenempfehlungen-des-bfr.pdf
7. BVL / BfArM, Gemeinsame Expertenkommission: Einstufung von zinkhaltigen Produkten, 2023. https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Fachmeldungen/01_lebensmittel/2023/2023_07_03_Stellungnahme_Zink.html
8. Verbraucherzentrale: Mehr Zink bei Erkältungen?, Stand 2026. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/mehr-zink-bei-erkaeltungen-13390
9. NIH Office of Dietary Supplements: Zinc – Fact Sheet for Health Professionals, 2026. https://ods.od.nih.gov/factsheets/Zinc-HealthProfessional/
10. Nations SP et al.: Denture cream: an unusual source of excess zinc, leading to hypocupremia and neurologic disease. Neurology, 2008 (PubMed 18525032). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18525032/
11. European Medicines Agency: Wilzin (Zinkacetat), Produktinformation. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/wilzin
12. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 (zugelassene gesundheitsbezogene Angaben) und Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII (NRV).

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.

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