Kortison

Ernährung bei Kortison: Salz, Zucker, Eiweiß und Calcium – was jetzt wichtig ist

Prednisolon kann Wasser einlagern, den Blutzucker erhöhen, den Appetit steigern und Knochen und Muskeln belasten. Was du beim Essen beachten kannst – mit Beispieltag und Quellen.

9 Min. LesezeitAktualisiert Mit Werkzeug: Abstände & Wechselwirkungen
Frühstückstisch mit Joghurt, Beeren, Haferflocken, Brokkoli, Linsen und Kräutern statt Salz – Ernährung bei Kortison-Therapie
Frühstückstisch mit Joghurt, Beeren, Haferflocken, Brokkoli, Linsen und Kräutern statt Salz – Ernährung bei Kortison-Therapie

Das Wichtigste in Kürze

  • Kortison verändert den Stoffwechsel. Laut Fachinformation kann Prednisolon Natrium und Wasser zurückhalten, Kalium ausschwemmen, den Blutzucker erhöhen, den Appetit steigern und Eiweiß sowie Calcium aus dem Körper abbauen.
  • Gewichtszunahme ist häufig: In einer Befragung von 2.167 Langzeit-Anwendern nannten 70 Prozent sie als Nebenwirkung.
  • Salz sparsam, Zucker und Weißmehl reduzieren, Eiweiß und Gemüse zu jeder Mahlzeit – und regelmäßig bewegen.
  • 1000 mg Calcium pro Tag als Gesamtzufuhr empfiehlt die DVO-Leitlinie bei Kortison-Therapie, dazu mindestens 800 I.E. Vitamin D.
  • Keine Ernährung verhindert Nebenwirkungen. Sie kann aber helfen, Gewicht, Blutzucker und Knochen im Blick zu behalten.
  • Nie eigenmächtig absetzen. Dosis und Kontrollen bestimmt deine Praxis. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

1. Warum spielt die Ernährung bei Kortison eine Rolle?

Kortison-Tabletten wie Prednisolon greifen in den Stoffwechsel ein. Die Fachinformation nennt unter anderem Natrium- und Wasserretention, Kaliumverlust, eine gestörte Glukosetoleranz, Eiweißabbau, eine negative Calciumbilanz, mehr Appetit und Gewichtszunahme. Die Ernährung kann diese Effekte nicht verhindern, aber sie kann helfen, sie im Alltag abzufedern.[1]

Wie stark die Effekte sind, hängt vor allem von Dosis und Dauer ab. Eine kurze Kortison-Stoßtherapie über wenige Tage ist etwas anderes als eine Langzeittherapie über Monate.[2] Die folgenden Tipps sind vor allem für alle gedacht, die Kortison länger einnehmen.

Wirkung laut Fachinformation Was das für die Ernährung bedeutet
Natrium- und Wasserretention Salz sparsam einsetzen, wenig Fertigprodukte
Gestörte Glukosetoleranz, erhöhter Blutzucker Zucker und Weißmehl reduzieren, Ballaststoffe bevorzugen
Gesteigerter Appetit, Gewichtszunahme Regelmäßige Mahlzeiten, sättigende Lebensmittel, Bewegung
Eiweißabbau, Muskelschwäche Eiweiß zu jeder Mahlzeit, Krafttraining nach Absprache
Negative Calciumbilanz, Osteoporose Calciumreich essen, Vitamin D im Blick behalten
Kaliumverlust Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte; Kaliumwert ärztlich prüfen lassen

Mehr zum Gesamtbild findest du im Überblick: Nahrungsergänzung und Kortison.

2. Salz und Wassereinlagerungen

Prednisolon kann dazu führen, dass der Körper Natrium und Wasser zurückhält. Wer Kortison länger nimmt, sollte deshalb sparsam salzen und Fertiggerichte, Wurst, Käse mit viel Salz, Chips und Fertigsoßen einschränken.[1]

Prednisolon hat im Vergleich zum körpereigenen Hydrocortison eine etwas geringere Wirkung auf den Salz- und Wasserhaushalt (relativ 0,8 zu 1), ganz verschwunden ist sie aber nicht.[2] Gerade bei Bluthochdruck, Herzschwäche oder Wassereinlagerungen in den Beinen gehört das Thema in die Praxis.

  • Mit Kräutern, Zitrone und Gewürzen statt mit viel Salz würzen.
  • Selbst kochen, wo es geht – Fertigprodukte enthalten oft viel Salz.
  • Bei plötzlicher Gewichtszunahme über wenige Tage, geschwollenen Beinen oder Atemnot: Praxis kontaktieren.

3. Zucker und Blutzucker

Kortison kann den Blutzucker erhöhen – schon wenige Stunden nach der Einnahme und abhängig von der Dosis. Betroffen ist vor allem der Blutzucker nach dem Essen, weniger der Nüchternwert. Zucker, süße Getränke und Weißmehl einzuschränken ist deshalb sinnvoll.[1] [2]

Wer Prednisolon morgens nimmt, hat den höchsten Blutzucker oft am Nachmittag. Fachleute empfehlen deshalb bei Bedarf, den Blutzucker innerhalb von etwa 8 Stunden nach der ersten Dosis zu messen.[2] Ein Nüchternwert allein kann einen erhöhten Blutzucker also übersehen.

  • Vollkorn, Hülsenfrüchte und Gemüse statt Weißbrot, Süßigkeiten und Saft.
  • Süße Getränke durch Wasser oder ungesüßten Tee ersetzen.
  • Mit Diabetes: Blutzucker häufiger messen; die Diabetes-Therapie passt die Praxis an. Ändere sie nicht selbst.

Mehr dazu: Kortison und Blutzucker.

4. Appetit und Gewicht

Mehr Appetit und Gewichtszunahme gehören laut Fachinformation zu den möglichen Nebenwirkungen. In einer Befragung von 2.167 Menschen mit Langzeit-Kortison war Gewichtszunahme mit 70 Prozent die häufigste selbst berichtete Nebenwirkung.[1] [2]

In Studien mit Rheuma-Patienten stieg das Körpergewicht unter 5 bis 10 mg Prednison-Äquivalent pro Tag über mehr als zwei Jahre im Mittel um 4 bis 8 Prozent.[2] Fachleute empfehlen eine gesunde, kalorienbewusste Ernährung, regelmäßige Bewegung und wenig Alkohol.[2]

  • Feste Mahlzeiten statt ständiges Snacken.
  • Gemüse und Eiweiß machen bei wenig Kalorien satt.
  • Kleinere Teller, langsam essen, Heißhunger einplanen (z. B. Gemüsesticks, Joghurt).

5. Eiweiß und Muskeln

Kortison kann Muskeleiweiß abbauen. Die Fachinformation nennt Eiweißabbau und eine Schwäche der rumpfnahen Muskulatur. Eiweiß zu jeder Mahlzeit und regelmäßiges Training sind deshalb zwei wichtige Bausteine.[1] [2]

Die Muskelschwäche tritt häufiger ab etwa 10 mg Prednison-Äquivalent pro Tag auf und entwickelt sich über Wochen bis Monate. Studien deuten darauf hin, dass Kraft- und Ausdauertraining den Muskelabbau abschwächen können.[2] Für Menschen ab 65 Jahren nennt die DVO-Leitlinie eine Eiweißzufuhr von 1,0 g pro kg Körpergewicht und Tag.[3]

Gute Eiweißquellen: Joghurt, Quark, Käse, Eier, Fisch, Geflügel, Linsen, Bohnen, Tofu. Milchprodukte liefern gleichzeitig Calcium.

6. Calcium und Vitamin D für die Knochen

Kortison kann die Calciumbilanz verschlechtern und das Risiko für Osteoporose erhöhen. Die DVO-Leitlinie empfiehlt bei Kortison-Therapie 1000 mg Calcium pro Tag als Gesamtzufuhr aus Essen, Getränken und gegebenenfalls einem Präparat sowie mindestens 800 I.E. Vitamin D.[1] [3]

Die DGE nennt für Erwachsene ebenfalls 1000 mg Calcium pro Tag.[4] Gute Quellen sind Milch und Milchprodukte, grünes Gemüse wie Brokkoli oder Grünkohl sowie calciumreiches Mineralwasser (mehr als 150 mg pro Liter).[4] Ob du zusätzlich ein Präparat brauchst und ob eine Knochendichtemessung sinnvoll ist, entscheidet die Praxis. Ausführlich: Kortison und Knochen: Vitamin D und Calcium.

Aus unserem Sortiment: Vitamin D3 + K2 Kapseln (laborgeprüft). Eine Kapsel enthält 50 µg Vitamin D3 (2.000 I.E.) und 75 µg Vitamin K2 als MK-7. Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei. Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.[5]

Ehrlich gesagt: 2.000 I.E. (50 µg) liegen über den 800 I.E., die die DVO-Leitlinie allgemein nennt, und über dem Höchstmengenvorschlag des BfR von 20 µg (800 I.E.) Vitamin D pro Tag für Nahrungsergänzungsmittel. Nimm die Kapseln deshalb nur nach Absprache mit deiner Praxis. Sie gleichen keine Wirkung des Kortisons auf die Knochen aus und ersetzen keine Osteoporose-Behandlung. Nicht geeignet für Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche. Viele Praxen verschreiben zum Kortison ohnehin ein Vitamin-D- oder Calcium-Präparat – dann nimm unsere Kapseln nicht zusätzlich. Calcium führen wir nicht; das bekommst du am besten über das Essen.[3] [5]

Blutverdünner? Wenn du Vitamin-K-Antagonisten wie Marcumar oder Warfarin nimmst, sprich vor der Einnahme unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt – Vitamin K kann deren Wirkung beeinflussen.[5] Zu den Vitamin D3 + K2 Kapseln

7. Kalium

Prednisolon kann Kalium ausschwemmen. Das gilt besonders zusammen mit Entwässerungstabletten, die ebenfalls Kalium ausscheiden. Kaliumreiche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Kartoffeln passen gut in den Speiseplan – ein Kalium-Präparat aber nur nach ärztlicher Rücksprache.[1] [2]

Bei Nierenerkrankungen oder bestimmten Blutdruckmitteln kann zu viel Kalium gefährlich sein. Ob dein Kaliumwert kontrolliert werden sollte, entscheidet die Praxis.[2]

8. Beispiel für einen Tag

Ein Tag mit Kortison kann aus drei festen Mahlzeiten mit Eiweiß, Gemüse und Calcium bestehen – ohne Kalorienangaben, als Orientierung. Mengen legst du je nach Bedarf mit Praxis oder Ernährungsberatung fest.[2] [3] [4]

Mahlzeit Beispiel Warum
Frühstück Naturjoghurt oder Quark mit Beeren und Haferflocken, Wasser oder Tee Eiweiß und Calcium, kein zugesetzter Zucker
Mittag Linsen- oder Gemüsepfanne mit Vollkornreis und einem Stück Fisch oder Tofu Ballaststoffe, Eiweiß, Kalium
Zwischendurch Ein Glas Milch oder calciumreiches Mineralwasser, eine Handvoll Nüsse Calcium ohne viel Salz
Abend Vollkornbrot mit Käse oder Ei, dazu Rohkost und Brokkoli Eiweiß, Calcium, grünes Gemüse

9. Was du in der Praxis ansprechen kannst

Gewicht, Blutzucker, Blutdruck, Kalium und die Knochen gehören bei einer längeren Kortison-Therapie in regelmäßige Kontrollen. Nimm deine Fragen zur Ernährung mit.[1] [2] [3]

  • Wie lange und in welcher Dosis nehme ich Kortison – betrifft mich die Langzeit-Empfehlung?
  • Sollte mein Blutzucker gemessen werden, und wann am Tag?
  • Muss mein Kaliumwert kontrolliert werden?
  • Brauche ich Calcium oder Vitamin D als Präparat – oder reicht die Ernährung?
  • Ist eine Knochendichtemessung sinnvoll?
  • Welches Training ist für mich geeignet?

Nimmst du zum Kortison auch einen Magenschutz? Dann lies Kortison und Magenschutz.

10. Was wir nicht wissen

  • Gezielte Ernährungsstudien bei Kortison-Therapie sind selten. Die meisten Tipps beruhen auf den bekannten Wirkungen des Medikaments und allgemeinen Ernährungsempfehlungen.
  • Wie stark Salz- oder Zuckerreduktion die Nebenwirkungen im Einzelfall abschwächt, ist nicht gut untersucht.
  • Die Fachinformation nennt für viele Stoffwechsel-Nebenwirkungen keine Häufigkeit („nicht bekannt“).

Weiterlesen im Ratgeber

Alle Artikel findest du im NervaraLab Ratgeber.

Hinweise: Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung und ist keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Setz Kortison nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache – nach längerer Einnahme kann ein plötzliches Absetzen gefährlich sein. Maßgeblich sind die Packungsbeilage deines Präparats und deine Ärztin oder dein Arzt.

11. Häufige Fragen

Was sollte ich bei einer Kortison-Therapie essen?

Fachleute raten zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung mit ausreichend Calcium, wenig Salz und möglichst wenig Zucker und Weißmehl. Dazu gehören regelmäßige Bewegung und wenig Alkohol. Eine Diät, die Nebenwirkungen verhindert, gibt es nicht.

Warum nimmt man unter Kortison zu?

Prednisolon kann den Appetit steigern und Wasser im Körper halten. In einer Befragung von 2.167 Langzeit-Anwendern war Gewichtszunahme mit 70 Prozent die am häufigsten genannte Nebenwirkung.

Sollte ich unter Kortison weniger Salz essen?

Laut Fachinformation kann Prednisolon dazu führen, dass der Körper Natrium und Wasser zurückhält. Sparsam salzen und wenig Fertigprodukte essen ist deshalb sinnvoll. Wie streng du sein solltest, besprichst du mit deiner Praxis, besonders bei Bluthochdruck oder Herzschwäche.

Steigt der Blutzucker durch Kortison?

Ja, das ist möglich. Der Effekt zeigt sich schon wenige Stunden nach der Einnahme und betrifft vor allem den Blutzucker nach dem Essen. Mit Diabetes ist eine engere Kontrolle wichtig – die Behandlung passt die Praxis an.

Wie viel Calcium brauche ich bei Kortison?

Die DVO-Leitlinie empfiehlt 1000 mg Calcium pro Tag als Gesamtzufuhr aus Essen, Getränken und gegebenenfalls einem Präparat. Das entspricht dem Referenzwert der DGE für Erwachsene.

Brauche ich bei Kortison ein Kalium-Präparat?

Nicht automatisch. Prednisolon kann Kalium ausschwemmen, besonders zusammen mit bestimmten Entwässerungstabletten. Ob dein Kaliumwert kontrolliert oder ergänzt werden muss, entscheidet die Praxis. Nimm Kalium nicht auf eigene Faust ein.

Darf ich Kortison absetzen, wenn ich zunehme?

Nein. Kortison darfst du nie eigenmächtig absetzen oder die Dosis ändern. Sprich Gewicht, Blutzucker und Blutdruck bei deiner Ärztin oder deinem Arzt an.

Quellen

Die Angaben in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Quellen. Zu jeder Quelle steht, welche Aussage sie belegt.

  1. Wockhardt UK: „Prednisolone 5 mg Tablets – Summary of Product Characteristics“ (emc).
    Belegt: Natrium- und Wasserretention, hypokaliämische Alkalose, Kaliumverlust, negative Stickstoff- und Calciumbilanz, Glukoseintoleranz, Eiweißabbau, gesteigerter Appetit, Gewichtszunahme, Hyperglykämie (4.8); proximale Myopathie, Osteoporose (4.8); bei Älteren besonders Osteoporose, Diabetes, Bluthochdruck, Hypokaliämie (4.4).
  2. Liu D et al.: „A practical guide to the monitoring and management of the complications of systemic corticosteroid therapy“, Allergy Asthma Clin Immunol 2013;9:30.
    Belegt: relative mineralokortikoide Wirkung Prednisolon 0,8 (Hydrocortison 1); Gewichtszunahme 70 % in Befragung von 2.167 Langzeit-Anwendern; +4–8 % Körpergewicht bei 5–10 mg/Tag über > 2 Jahre; Blutzuckeranstieg innerhalb von Stunden, dosisabhängig, vor allem nach dem Essen; Messung innerhalb von 8 Stunden nach der Dosis; Myopathie häufiger ab 10 mg/Tag, Training kann Muskelabbau abschwächen; Kalium bei kaliumausscheidenden Diuretika kontrollieren; gesunde, kalorienbewusste Ernährung, ausreichend Calcium, wenig Alkohol, regelmäßige Bewegung.
  3. Dachverband Osteologie (DVO): „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose – Kurzfassung“, 2023.
    Belegt: 1000 mg Calcium pro Tag als Gesamtzufuhr, mindestens 800 I.E. Vitamin D; Eiweiß 1,0 g/kg ab 65 Jahren.
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): „Referenzwerte Calcium“.
    Belegt: 1000 mg Calcium pro Tag für Erwachsene; Milchprodukte, grünes Gemüse, Mineralwasser mit mehr als 150 mg Calcium pro Liter.
  5. NervaraLab: „Vitamin D3 + K2 Kapseln“, Produktseite.
    Belegt: 50 µg Vitamin D3 (2.000 I.E.), 75 µg Vitamin K2 (MK-7) pro Kapsel; zugelassene Angaben; Hinweis zu Blutverdünnern; nicht zusätzlich zu weiteren Vitamin-D-Präparaten.

Quellen geprüft am 19.10.2026.

Werkzeug · kostenlosAbstände & WechselwirkungenNahrungsergänzung und Medikamente auf einen BlickÖffnen →

Mehr dazu im Ratgeber